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Syrien: Polizei stellt Drogen-Vorrat des IS sicher


Syrische Polizeikräfte haben in Homs 5.000 Captagon-Pillen sichergestellt. Captagon wird von Söldnern der al-Nusra-Front und des IS genutzt, um tagelang kämpfen zu können.

Eine beschlagnahmte tüte mit captagon-pillen. (foto: dpa)

Eine beschlagnahmte Tüte mit Captagon-Pillen. (Foto: dpa)

Die Rauschgift-Abteilung der syrischen Polizei hat am Dienstag in Homs einen Drogendealer festgenommen. In dem Haus des Drogendealers wurden 5.000 Captagon-Pillen und 30 Kilogramm Haschisch sichergestellt, meldet die syrische staatliche Nachrichtenagentur SANA. Der Vorfall hat insbesondere eine militärische Dimension. Captagon-Pillen kommen bei bewaffneten Kämpfern von Extremistengruppen zum Einsatz.

The Middle East Eye führt aus: „Captagon, ein Amphetamin, das normalerweise in Pillenform vorkommt, ist im Laufe des Syrienkrieges in den Vordergrund getreten. Es wurde während des siebenjährigen Krieges von Kämpfern ausgiebig genutzt. Die Droge betäubt die Sinne und kann ihre Benutzer tagelang wach halten, was nach Meinung der Kämpfer auf dem Schlachtfeld nützlich ist. Überwiegend in Syrien hergestellt, haben Nachbarländer wie der Libanon begonnen, einen Anstieg von Captagon innerhalb ihrer Grenzen zu beobachten. Das Amphetamin wird auch in Syrien und anderswo als Partydroge verwendet. Im Jahr 2015 wurde ein saudischer Prinz, Abdel Mohsen Bin Walid Bin Abdulaziz, zusammen mit vier anderen Personen gefangen genommen. Sie hatten versucht, zwei Tonnen Captagon vom Beiruter Flughafen zu schmuggeln.“

Die türkische Zeitung Milliyet führt in einem Bericht aus, dass Captagon einer der wichtigsten Antreiber für die Gräueltaten der Terror-Miliz IS und weiterer Terrorgruppen in Syrien ist. Das Blatt berichtet: „Vor dem Jahr 2011 war die Bekaa-Ebene im Libanon das weltweit größte Zentrum für die Produktion von Captagon. Seit 2011 hat sich dieses Produktionszentrum nach Syrien verschoben, so dass mittlerweile 90 Prozent des Captagons in Syrien hergestellt wird. Da die Herstellung sehr einfach ist und die benötigten Chemikalien leicht zu beschaffen sind, zogen die Drogenbarone nach Syrien. Doch das Ziel war es nicht nur, Captagon für den Transit nach Europa und in die Golfstaaten herzustellen, sondern bewaffnete Gruppen in Syrien mit der Droge zu versorgen. Ein Kämpfer, der Captagon konsumiert, verliert sein Hungergefühl, kann über Tage hinweg ohne schlaflos kämpfen und brutale Tötungen vornehmen. Captagon eliminiert das Angstgefühl. Nicht die Ideologie oder in etwa politische Ansichten, sondern Captagon ist der Hauptantreiber von unvorstellbaren Gräueltaten in Syrien.“

Die Washington Post führt aus, dass die Nutzung von Captagon durch Söldner in Syrien den Syrien-Konflikt erst wirklich ermöglicht habe. Die Brutalität der Tötungen durch den IS und weiterer extremistischer Gruppen sei nur unter Einsatz von Captagon möglich.

Captagon-Razzien seit Januar 2017

Zu Beginn des Jahres 2017 (Januar und Februar) stellten die französischen Sicherheitskräfte am Pariser Flughafen Roissy 750.000 Captagon-Pillen mit einem Gewicht von 135 Kilogramm sicher, berichtet Le Monde. Die Ladung befand sich auf dem Weg in den Nahen Osten. Das Blatt wörtlich: „Captagon ist berühmt, weil es als ,dschihadistische Droge‘ bezeichnet wird und seinen Namen von einem seit mehreren Jahrzehnten in Europa und den USA ausgesonderten Medikament zur Behandlung von Narkolepsie erhält. Die Pillen enthalten Amphetamine und Theophylline (…) Seit Beginn des Syrien-Konflikts im Jahr 2011 ist auch die Produktion von kleinen Pillen im benachbarten Libanon explodiert.“

Den französischen Behörden zufolge kommt Captagon vor allem bei den Kämpfern der Al-Nusra-Front (heute Hayat Tahrir al-Scham) und dem IS zum Einsatz, meldet die Nachrichtenagentur Xinhua.

Im Februar 2017 nahmen die Sicherheitskräfte in Dubai einen Mann fest, der 116 Kilogramm an Captagon schmuggeln wollte, berichtet Gulf News.

Im Mai 2017 führten niederländische Behörden eine Razzia in einem Drogenlabor zur Herstellung von Captagon und Tramadol durch. Die BBC berichtet, dass auch Tramadol als „Dschihadisten-Droge“ umschrieben wird. Die beschlagnahmten Pillen sollten nach Libyen geliefert werden.

Am 12. Juni 2018 zerstörte die Anti-IS-Koalition unter der Führung der USA im Südosten Syriens eine Stellung des IS. Dabei wurden in einem Lager des IS 300.000 Captagon-Tabletten im Wert von 1,4 Millionen Dollar. „Trotz der Fassade  [des IS]  der islamischen Reinheit sind ihre kriminellen Terroristen bekannte Drogenkonsumenten und Menschenhändler“, zitiert die Military Times eine Mitteilung der Koalition.

Vor dem 21. Januar 2017 hatte es weder in Europa noch in den Golfstaaten großangelegte Razzien gegen Drogenringe, die mit Captagon-Pillen handeln, gegeben.

Die BBC sprach im Rahmen einer Dokumentation mit einem ehemaligen syrischen Söldner. Er schilderte dem Sender seine Erfahrungen mit Captagon-Pillen: „Also kam der Brigadenführer und sagte zu uns: ,Diese Pille gibt dir Energie, probier es.‘ Also nahmen wir es das erste Mal. Wir fühlten uns körperlich fit. Und wenn zehn Menschen vor dir wären, könntest du sie fangen und töten. Man bleibt die ganze Zeit wach. Man denkt nicht einmal daran zu schlafen. Es gibt dir einen großen Mut und Kraft. Wenn der Anführer dir sagt, dass du in eine Militärbaracke einbrechen sollst, wirst  du es mit einem tapferen Herzen und ohne jedes Gefühl der Angst tun, ohne müde zu werden.“

Kimberley L. Thachuk (John Hopkins University) und Rollie Lal (George Washington University) führen in ihrem Buch „Terrorist Criminal Enterprises: Financing Terrorism through Organized Crime“ aus, dass die Hauptquelle des „internationalen Terrorismus“ der „internationale Drogenhandel“ sei. Somit gebe es eine direkte Verbindung zwischen der organisierten Kriminalität und dem „internationalen Terrorismus“. Captagon und weitere Pillen kommen ganz massiv bei der Betäubung der Sinne von Terroristen bewaffneten Extremisten zum Einsatz. Es gebe eine regelrechte „Industrie des Terrorismus“.

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